Wasser

Wasser ist unser Lebenselement und von ganz außerordentlicher Heilkraft. Diese wird von den Menschen seit jeher genutzt. Da Wasser auch eine große Wärmespeicher- und Übertragungsfähigkeit besitzt, dient es in der KNEIPP-Wassertherapie (Hydrotherapie) als Träger von Temperatur-, Druck-, chemischen und elektrischen Reizen, die den Körper zu einer positiven Reaktion veranlassen sollen.

 

Viele Menschen, die KNEIPP noch nicht kennen, stellen sich unter seiner Wassertherapie eine Ross- oder Kaltwasserkur vor, die verbunden ist mit eher unbehaglichen Empfindungen wie Kälte, Frieren und Frösteln sowie stockendem Atem. In Wirklichkeit lösen KNEIPPsche Anwendungen, richtig ausgeführt, Behagen aus - dasselbe Behagen, das Sie zum Beispiel auch nach einer langen Wanderung im Sommer empfinden, wenn Sie die Schuhe ausziehen und Ihre Füße in einen kühlen Bach tauchen können.

 

„Ich bin der vollsten Überzeugung, dass der größere Teil der Menschheit viel gesünder, glücklicher und zufriedener leben würde, wenn man eine vernünftige Wasserkur gebrauchen würde.“

(S. KNEIPP)

 

KNEIPP hat über 100 Wasseranwendungen verwendet, vor allem Waschungen, Güsse, Wickel und Bäder, Packungen sowie Dämpfe. Unterschieden werden warme, kalte und wechselwarme Anwendungen. Daneben kann die Wasseranwendung entweder am gesamten Körper oder nur an ausgewählten Körperpartien vorgenommen werden. Das macht sie so gut verträglich und im Alltag anwendbar.

 

Es klingt paradox, aber gerade kälteempfindliche Menschen können durch Kneippsche Wasser-Anwendungen viel gewinnen. Anfänger gewöhnen sich sehr schnell auch an kältere Güsse – wenn sie vorher für gute Durchwärmung sorgen, die Kalt-Anteile in den ersten Wochen nur kurz halten und dabei nicht allzu kalte Temperaturen einstellen. Die Kälteempfindlichkeit nimmt mit der Zeit ab, dafür jedoch wächst die Abwehrkraft. (Es konnte nachgewiesen werden, dass Wechselduschen die Erkältungsneigung deutlich senken; auch die Anfälligkeit gegenüber Stress wird nach einer KNEIPP-Kur wesentlich reduziert).

 

„Selbst der Schwächste und Empfindlichste möge sich nicht abschrecken lassen!“

(S. KNEIPP)

Wasser - ein natürlicher Reiz

Ein (Wasser-)Reiz erzeugt zunächst eine Reaktion des Körpers – ein Kaltreiz zum Beispiel eine Gefäßzusammenziehung -, also eine Abwehrreaktion zur Erhaltung des Wärmegleichgewichts. Sowohl heiße als auch kalte Temperaturreize führen zunächst zu dieser Verengung der kleinen Hautgefäße, die durch Blässe und Gänsehaut erkennbar wird. Ihr folgt unterschiedlich rasch eine Reaktionsphase mit Durchblutungsverbesserung, aktiver Wiedererwärmung und Hautrötung. Wird das Wasser anschließend nicht abgetrocknet, sondern nur abgestreift, so wird der Temperaturreiz durch Verdunstungskälte verlängert. Körperliche Bewegung oder Wiedererwärmung durch gutes Zudecken im Bett nach größeren Anwendungen (Nachruhe) fördert die erwünschte aktive Wärmeproduktion des Körpers.

 

Bei der Wassertherapie wird therapeutisch ausgenützt, dass ein örtlich gesetzter Reiz nicht nur im Gebiet der Anwendung eine Reaktion erzeugt, sondern auch in dem Organ, welches dem sogenannten Hautsegment zugeordnet ist, sowie im gesamten vegetativen System (bei einem großflächigen Kaltreiz zum Beispiel Stocken des Atems) und gleichsinnig über das Nerven und Hormonsystem im gesamten Körper - und zwar auch der Gebiete, die nicht direkt behandelt werden. So reagiert das „kapillare“ Haar-Gefäßnetz der Beine bei einer Anwendung an den Armen mit (gleichsinnige sogenannte konsensuelle Reaktion). Auch führt eine warmes oder Wechselfußbad zu einer besseren Durchblutung der Nasenschleimhaut und ist somit das Mittel der ersten Wahl bei Nasennebenhöhlenerkrankungen, chronischem Schnupfen oder aufkommender Erkältung (hier ein warmes oder temperaturansteigendes Fußbad nehmen).

 

Bei Infektanfälligkeit im Nasen-Rachenraum kann so der (zu!) schnelle Einsatz eines Antibiotikums meist vermieden werden.

 

Wasser hat jedoch nicht nur aufgrund seines Temperaturreizes eine heilende Wirkung, sondern es dient auch als ein besonders guter Träger für die Wirkstoffe von Heilpflanzen (in Tees, Bädern, als Zusätze in Wickeln, Packungen, Auflagen oder Dämpfen). So werden beispielsweise die Essenzen von Badezusätzen von der Haut besonders gut resorbiert, und gleichzeitig können sie sich auch über die Inhalation entfalten.

 

„Was die Kräuter an den Bädern bewirken, kann ich nur loben.“

(S. KNEIPP)

Grundlagen der Wasseranwendungen nach KNEIPP

Die Wasserreize werden insbesondere bei kurmäßiger Anwendung (KNEIPP-Kur) meist nach einem bestimmten ansteigenden Reizschema sowie genau und individuell dosiert verabreicht. Dabei ist auch beim kalten Wasser nicht die Kälteentwicklung das Ziel, sondern immer das Erreichen körpereigener Wärme bzw. die Regulierung im Wärmehaushalt (wichtig z. B. bei rheumatischen Krankheiten, niedrigem Blutdruck oder Infektanfälligkeit). Im Hinblick auf die Reizstärke gilt die Arndt-Schulz -Regel:

  • Zu kleine Reize schwächen
  • Kleine Reize entfachen die Lebensfunktionen
  • Gut dosierte mittlere Reize kräftigen und fördern
  • Übergroße Reize schaden

 

„Ich will ja nicht als der Entdecker der Tatsache gelten, dass das Wasser ein Heilmittel ist; ich suchte nur den Wasserstrom in der gelindesten Weise für die menschliche Natur zu verwenden.“

(S. KNEIPP)

 

Beispiele für die Reizstärken verschiedener Wasseranwendungen (zur groben Orientierung)

Reizstärke 1 (schwache Reize):

  • Teilwaschungen (Ober-, Unterkörper)
  • Trockenbürsten (Körperteile)
  • Teilbäder (Arm-, Fuß-, Sitzbäder)
  • Wechselteilbäder (Arm-, Fußbäder)
  • Kleine Güsse (Knie-, Armgüsse)

 

Reizstärke 2 (mittlere Reize):

  • Ganzwaschungen
  • Trockenbürsten (ganzer Körper)
  • Wassertreten
  • Halbbad kalt
  • Halbbad warm mit kalter Abgießung
  • Wechselgüsse (Knie-, Schenkel-, Arm-, verlängerter Arm-, Brust-, Ober-, Rückengüsse)
  • Waden- und Armwickel

 

Reizstärke 3 (starke Reize):

  • Kalte Güsse (Unter-, Rücken-, Ober-, Vollguss)
  • Lumbalguss temperaturansteigend
  • Heiße Blitzgüsse
  • Dreiviertel-, Vollbäder
  • Temperaturansteigende Teilbäder (Arm-, Fuß-, Sitzbäder)
  • Wechselsitzbad
  • Größere Wickel (Lenden-, Kurz-, Brust-, Ganzwickel)
  • Heusack
  • Leibauflagen

 

Das Prinzip

So warm/heiß und lange wie nötig, so kühl/kalt und kurz wie möglich.

 

Wahl der richtigen Tageszeit für die jeweiligen Anwendungen

  • Morgens/früh z. B. Ganzwaschung, Wickel, Heusack
  • Vormittag/später Vormittag Güsse/Bäder
  • Früher Nachmittag Teilbäder (z. B. an Arm, Fuß)
  • Spätnachmittag ggf. Schwimmen

Bei entzündlichen Prozessen der Beinvenen soll jedoch keine örtliche Wärme zur Anwendung kommen! Das Wassertreten sollte am späten Nachmittag durchgeführt werden, da es zu dieser Zeit aufgrund der tageszeitlichen Wärmeschwankung des Körpers am besten verträglich ist. Warme Bäder am Vormittag erzeugen häufig Müdigkeit und sind schlaffördernd, während sie nachmittags oder abends das Ein- oder Durchschlafen bei kreislauflabilen Menschen stören können.

 

„Es ist also das Wasser sowohl für Kinder, für Heranwachsende, für Diejenigen, welche im Berufsleben die schwerste Last tragen, wie auch fürs hohe Alter ein Hauptmittel zur Erhaltung der Gesundheit, zum Schutze vor Krankheit, zur Kräftigung des ganzen Körpers, mithin das allgemeine Hilfsmittel in allen Mühseligkeiten von der Wiege bis zum Grabe.“

(S. KNEIPP)

 

Wirkungen der Wasseranwendungen

Es gibt kalte, warme und wechselwarme Anwendungen – je nach Befindlichkeit und Veranlagung (Konstitution), Behagen, Krankheit und beabsichtigter Wirkung wird sich aus den rund 120 KNEIPPschen Anwendungen in jedem Fall die passende finden.

 

„Auf welche Weise bewirkt das Wasser die Heilung? Auflösen, ausleiten, kräftigen, diese drei Eigenschaften des Wassers genügen uns …“

(S. KNEIPP)

 

Warmes Wasser hat primär eine beruhigende, den Ruhenerv ansprechende und somit stressmildernde vagotonisierende Wirkung (z. B. ein warmes Wannenbad). Bei Übertreibung jedoch – durch zu hohe Temperatur oder zu langer Badedauer – kann es auch den gegenteiligen Effekt bewirken (Aufgeregtheit, Nervosität, Schlaflosigkeit, vor allem bei niedrigem Blutdruck und Blutdruck-Regulationsstörung; deshalb wird die Verträglichkeit durch eine kalte Abgießung nach einem warmen Bad verbessert und stabilisiert den Kreislauf!).

Befindet sich der Körper in einem wenig belastbaren oder unterkühlten Zustand, so werden meist Wechselanwendungen in Form von Teilbädern gewählt. Wechselwarme Anwendungen sollen im Bedarfsfall dem Körper Wärme zuführen, um den nachfolgenden Kaltreiz besser beantworten zu können, ohne dass Wärme verloren wird.

Kältereize zielen insbesondere auf die Gefäße der Haut ab: Arterien, Kapillaren und Venen. Mit Kaltreizen lässt sich somit eine Übungsbehandlung der Arterien, Kapillaren und Venen durchführen, ohne dass das Herz belastet wird. Dies ist bei Neigung zu kalten Händen und Füßen wichtig.

 

„So übt das kalte Wasser eine Kräftigung aus, es belebt und erfrischt den ganzen Körper.“

(S. KNEIPP)

 

 

„Abhärtung“ durch Wasseranwendungen

Die Wassertherapie setzt einen zumindest leicht belastbaren Organismus voraus, der noch die Fähigkeit zur Regulation besitzt, und ist geeignet sowie bewährt bei der Vorbeugung und Behandlung von akuten und chronischen Krankheiten. Für die krankheitsvorbeugende Abhärtung ist in unseren gemäßigten Klimazonen insbesondere die Gewöhnung und Anpassung an Kälte oder Kaltreize wichtig. Die Wassertherapie nach KNEIPP bietet dieses Ziel in einfach zu handhabender, kostengünstiger und nicht zeitaufwendiger Art und Weise. Die meisten KNEIPP-Anwendungen können gut im Alltag, vorbeugend, kräftigend sowie heilend und lindernd bei vielen Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen eingesetzt werden.

 

„Eine wichtige Rolle im Gesundbleiben spielt das Abgehärtetsein gegen die verschiedenen Einflüsse.“

(S. KNEIPP)

 

Bei schwächlicher Konstitution und bei Patienten in der Erholungsphase (Rekonvaleszenz nach Krankheiten) sollte ganz vorsichtig am besten kurmäßig mit milden Reizen begonnen werden (z. B. Oberkörperwaschung, Trockenbürsten, temperierten Wechselfuß- oder Armbädern, Luftbad, Lockerungs- und Atemgymnastik).

 

„Alle Anwendungen müssen also darauf hinwirken, dass ein regelmäßiger Blutlauf eintritt und erhalten bleibt. Nur muss man gelinde anfangen; sobald aber der Körper an Kraft zunimmt, müssen die Anwendungen verstärkt werden.“

(S. KNEIPP)

 

 

Bitte beachten

Wichtig: Sie sollten sich nach jeder Anwendung wohl fühlen. Finden Sie Ihre individuelle Reaktionsweise heraus, und besprechen Sie dies mit dem Bademeister oder dem KNEIPP-Arzt.

 

 

Fehlreaktionen auf Wasseranwendungen

  • Kälte
  • Schmerz
  • rot-blaue Verfärbung der Haut
  • anhaltende Blässe
  • Gefäßkrämpfe
  • Frösteln
  • Schwindelgefühl
  • Kopfschmerz
  • Übelkeit
  • Herzsensation
  • allgemeine Missempfindung

 

 

Grundsätzliches zu den Wasseranwendungen

  • Kaltes Wasser niemals auf eine kalte Haut oder einen ausgekühlten Körper bringen. Gegebenenfalls muss vorher eine Erwärmung durch Bewegung oder Bettwärme erfolgen oder auf Wechselanwendungen ausgewichen werden.
  • Auch nach einer Wasseranwendung dürfen Sie keinesfalls frieren! Sie müssen sich wohlfühlen und innerhalb von 15 – 20 Minuten wieder vollständig erwärmt sein – deshalb gut zudecken bzw. warm anziehen. Bei Bedarf auch im Sommer (!) zu warmer Kleidung greifen.
  • Nach Teilbädern und Anwendungen, die nicht mit kaltem Guss abgeschlossen werden, in jedem Falle bei Halb-, Dreiviertel- und Vollbädern ½ bis 1 Stunde liegend ruhen.
  • Während der Anwendung von Wickeln oder Packungen sollte man sich nicht unterhalten, lesen oder auf sonstige Weise beschäftigen – auch Radio oder Fernseher sollten ausgeschaltet bleiben. Ruhen Sie sich aus, und entspannen Sie bewusst.
  • Abgesehen von die Verdauung beeinflussenden Anwendungen (z. B. heiße Leibauflagen) sollte die Nahrungsaufnahme mindestens eine halbe Stunde zurückliegen. Güsse sollten zweckmäßigerweise auch nicht auf völlig nüchternen Magen erfolgen.
  • Nikotin direkt vor oder nach einer Wasseranwendung kann deren Wirkung vollkommen aufheben. Auch Kaffee, Tee oder Alkoholika lähmen die Reaktionsfähigkeit der kapillaren Gefäße und beeinträchtigen damit ebenfalls die erwünschte positive Reaktion.
  • Nach einer Anwendung ein bis zwei Stunden warten, bevor man die nächste ausführt.
  • Eine Wirkungsverstärkung tritt ein, indem das Wasser nicht abgetrocknet, sondern nur abgestreift wird.
  • Frauen sollten während der Zeit der Monatsregel nur Anwendungen am Oberkörper durchführen.

Wasseranwendungen haben, richtig ausgeführt, keine ungünstigen Nebenwirkungen, unterstützen auch im Krankheitsfalle die medikamentöse Therapie durch Anregung der körperlichen Heilkräfte, beschleunigen die Wieder-Erholung und können nicht zuletzt Medikamente einsparen.

 

„Lernt das Wasser richtig kennen und es wird euch stets ein verlässlicher Freund sein.“

(S. KNEIPP)

 

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