Heilpflanzen

Pflanzenheilkunde (Phytotherapie) ...

befasst sich mit der Anwendung pflanzlicher Mittel zur Vorbeugung oder Behandlung von Krankheiten. Die moderne Phytotherapie wurzelt in den Erfahrungen unserer Vorfahren, ist jedoch naturwissenschaftlich orientiert, und zwischenzeitlich sind viele Pflanzen gut hinsichtlich ihrer Anwendungsmöglichkeiten untersucht.

 

„[…] ich möchte nur wünschen, dass alle Menschen die Kräuter wieder mehr zu Ehren kommen ließen. In ihnen ist ja soviel Heilkraft, und unsere Voreltern haben ihre Gesundheit durch die Kräuter erhalten und wieder erlangt […].“

(S. KNEIPP)

 

Pflanzen sind wichtige Helfer bei Alltagsbeschwerden sowie bei der Behandlung von Krankheiten. Sie können dazu beitragen, bestimmte chemische Medikamente einzusparen bzw. in ihrer Dosis zu verringern oder sogar zu ersetzen (z. B. Schlaf- und Beruhigungs-, Verdauungs- oder Schmerzmittel).

Die Phytotherapie erhebt jedoch nicht den Anspruch, chemisch-synthetische Medikamente völlig zu ersetzen, sondern sie versteht sich vor allem als wertvolle Ergänzung bei geeigneten Anwendungsbereichen. Keinesfalls jedoch dürfen bestimmte lebensnotwendige Arzneimittel wie Insulin oder Schilddrüsenhormone durch Heilpflanzenwirkstoffe ersetzt werden.

 

Pflanzen als „innere Kur“

Heilpflanzen wirken regulativ als ‚natürlicher Reiz’ und können so auf sanfte Weise Störungen im Organismus (Regelkreise) harmonisieren und die Abwehrleistung des Körpers aktivieren. Dadurch wird der Organismus zu einer heilsamen Reaktion veranlasst. Auch das Entschlacken und Reinigen des Gewebes kann durch Heilpflanzen gefördert werden – Kräuter wirken damit wie eine „innere Kur“ (S. KNEIPP).

Darüber hinaus enthalten Pflanzen einen fast unerschöpflichen Reichtum an Vitalstoffen – darunter Mineralstoffe und Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe, Bitterstoffe oder ätherische Öle -, die beim Überbrühen bzw. Köcheln in das Teewasser übergehen.

 

„Ich habe die feste Überzeugung, daß die Kräuter nicht nur Heilmittel, sondern auch ganz ausgezeichnete Nährmittel sind.“

(S. KNEIPP)

 

In die Akut- oder Notfallmedizin gehören pflanzliche Arzneimittel nicht. Andererseits sollten auch viele chemisch-synthetische (allopathische) Monopräparate nicht zur Behandlung von Bagatellerkrankungen, funktionellen und Befindlichkeitsstörungen herangezogen werden. Sowohl bei der Behandlung chronischer Krankheiten (im Intervall und als Langzeittherapie) als auch zur Verhütung von Krankheiten bzw. zur Stimulierung körpereigener Abwehrmechanismen werden Pflanzen in Zukunft wieder ein breites Einsatzspektrum haben, da sie dem Wunsch nach nebenwirkungsarmer Therapie in idealer Weise Rechnung tragen.

Ein besonderes Gebiet könnte vor allem die Altersforschung (Gerontologie) werden - hier werden wegen der Vielfacherkrankung bei älteren Menschen (Multimorbidität und -therapie) oftmals mit chemischen Präparaten zu viele Nebenwirkungen in Kauf genommen, die die Lebensqualität beeinträchtigen können. Hier sind deshalb pflanzliche Arzneimittel stark im Kommen (z. B. Johanniskraut bei leichteren und mittleren Depressionen, Ginkgo usw.).

 

Anwendungsformen

Je nachdem, in welchem Pflanzenteil die Wirkstoffe angereichert sind (Wurzel, Blätter, Blüte, ganze Pflanze), werden diese Teile zur Herstellung des pflanzlichen Arzneimittels herangezogen bzw. als Fertigarzneimittel in der bestmöglichen galenischen Zubereitung in den Handel gebracht. Wenn Pflanzenbestandteile in irgendeiner Form haltbar gemacht wurden (z. B. durch Trocknen), spricht man von einer Droge.

 

„[…] und ich behaupte sogar, dass die Kräuter der Natur neue Nährstoffe bringen.“

(S. KNEIPP)

 

Folgende Anwendungsformen sind gebräuchlich:

 

Frische Pflanzen bzw. Pflanzenteile:

  • Anwendung in der Küche als Gewürz (z. B. Rosmarin, Petersilie) oder Salat (z. B. Löwenzahn)
  • Presssaft
  • Alkoholische Auszüge

 

Haltbar gemachte Pflanzenteile („Drogen“):

  • Mono-Tees (aus einer Pflanze)
  • Teemischungen (mehrere Pflanzen werden gemischt)
  • Drogenpulver
  • Extrakte (flüssige, fließfähige und Trockenextrakte)
  • Infus (mit heißem Wasser angesetzte Droge, nach unterschiedlicher Zeit abgeseiht)
  • Dekokt (Droge mit kaltem Wasser angesetzt, zum Köcheln gebracht; die Abkochung wird nach unterschiedlicher Zeit abgeseiht)
  • Mazeration (Kaltwasserauszug) (Achtung jedoch vor einer möglichen Bakterienbesiedelung!)
  • Aromatische Wasser

 

Äußerlich werden Pflanzen angewendet in Form von:

·         Heilkräuterbädern (Voll- und Teilbäder)

·         Bäder mit ätherischen Ölen

·         Kräuterwasser

·         zur Inhalation

·         zur Bereitung von Kompressen

 

Zusammen mit dem Wasser gelangen die Kräuterwirkstoffe über Atmung sowie Haut und Schleimhaut in die Blutbahn und in die Gewebe. Als Badezusätze eignen sich Aufgüsse, Abkochungen, ätherische Öle (in der Regel vermischt mit einem Emulgator) sowie handelsübliche Kräuterbadeöle. Der Duft von Kräuterbädern hat darüber hinaus auch einen positiven Einfluss auf die Psyche, da unser Geruchssinn (Riechnerv) direkt mit dem Zentralen Nervensystem (limbischen System) verbunden ist.

 

Innerlich entfalten Heilpflanzen die beste Wirksamkeit in Form des Tees in folgenden drei Zubereitungsarten:

1.     Als Aufguss: Die empfohlene Menge wird mit kochendem Wasser übergossen und zugedeckt - damit „auch nicht ein Teilchen der Heilkraft verloren geht, vielmehr alle in Wasser gefangen werden“ (S. KNEIPP). Nach dem Ziehen wird der Aufguss abgeseiht und warm getrunken.

2.     Als Abkochung (Heißwasserauszug) vor allem bei Wurzeln, Rinden und Hölzern - hier wird der kalte Ansatz zum Kochen gebracht.

3.     Als Kaltwasserauszug: Die empfohlene Menge an Pflanzen wird mit kaltem Wasser übergossen und muss anschließend 8 bis 12 Stunden ziehen.

 

„Die inneren Kräfte, die Heilkräfte können aus einer Pflanze in verschiedener Weise ausgezogen werden.“

(S. KNEIPP)

 

Wann und wie sollen Kräutertees getrunken werden?

  • Appetitanregende Tees ca. ½ bis ¼ Stunde vor dem Essen
  • verdauungsfördernde Tees in nicht zu großer Menge während bzw. nach dem Essen
  • harntreibende Tees zwischen den Mahlzeiten
  • schlaffördernde und beruhigende Tees vor dem Schlafengehen

 

Die Tees sollten in möglichst kleinen Schlucken (KNEIPP-Schlucken) getrunken werden.

 

Zubereitung und Dosierung

Wie bei allen Medikamenten ist auch bei Arzneipflanzen die Entscheidung über die richtige Dosierung und Dauer der Anwendung von großer Bedeutung. Auch eine falsche Zubereitung kann die Wirkung beeinträchtigen oder sogar schaden.

Daneben müssen auch allergische Reaktionen, die häufig sehr individuell sein können, berücksichtigt werden

 

Einsatzbereiche pflanzlicher Arzneimittel

Die wissenschaftliche Phytotherapie erhebt nicht den Anspruch, chemisch-synthetische Arzneimittel (Monosubstanzen) zu ersetzen, sondern sie versteht sich manchmal als wertvolle Ergänzung. Als Beispiel für ein Mittel, das bei behandlungsbedürftiger, aber noch nicht mit Digitalis oder ACE-Hemmern zu behandelnden Herzleistungsminderung (Herzinsuffizienz NYHA Stadium I und II) sinnvoll ist, sei der Weißdorn genannt.

Anwendungsgebiete für pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka):

  • Indikationen, bei denen pflanzliche Arzneimittel Mittel der ersten Wahl sind und keine synthetischen Alternativen haben
  • Indikationen, bei denen pflanzliche Arzneimittel alternativ zu synthetischen Mitteln eingesetzt werden können
  • Indikationen, bei denen pflanzliche Arzneimittel unterstützend zu einer notwendigen chemischen Therapie eingesetzt werden
  • Indikationen, bei denen der Einsatz von pflanzlichen Arzneimitteln nicht angezeigt ist, da dem Patienten sonst eine andere wirksamere Therapie vorenthalten oder verzögert angeboten würde.

Domänen der Phytotherapie sind:

  • Verstopfung (Obstipation), Reizdarm
  • Behandlung von Leberschäden (Artischocke, Mariendistel)
  • Magenkrankheiten (z. B. Reizmagen)
  • Hautkrankheiten
  • urologische Krankheiten (z. B. Nierensteinleiden, Blasenentzündung [Zystitiden])

Weitere bewährte Anwendungsbereiche sind:

  • psychische Störungen (leichtere und mittlere Depressionen)
  • Schlafstörungen
  • Atemwegskrankheiten

 

Die Grenzen der Phytotherapie … 
liegen in der Akutbehandlung (z. B. in Notfallsituationen):

  • Vergiftungen (Intoxikationen)
  • Substitutionsbedürftige Krankheiten (z. B. Diabetes mellitus, Schilddrüsenunterfunktion [Hypothyreose])
  • Tuberkulose

 

Amtliche Zulassung von pflanzlichen Arzneimitteln

Pflanzliche Mittel sind nicht grundsätzlich harmlose, mild wirkende Substanzen. Beim Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), dem früheren Bundesgesundheitsamt), wurde deshalb die „Kommission E“ gegründet, die neu zugelassene pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) auf ihre Wirksamkeit untersucht und für bereits zugelassene Präparate den Wirksamkeitsnachweis überprüft hat. Die Beurteilungen zu Wirkungen und Wirksamkeit, zu Neben- und Wechselwirkungen sowie Gegenanzeigen werden seitdem in Aufbereitungsmonografien festgehalten ebenso wie die empfohlenen Dosierungen. Derartige Monografien wurden für etwa 300 verwendete Arzneipflanzen herausgegeben. Etwa ein Fünftel der geprüften Pflanzen hielt entweder dem Wirksamkeitsnachweis nicht stand oder wurde negativ „monografiert“, weil die Nebenwirkungen in Relation zu den möglichen Wirkungen nicht in Kauf genommen werden konnten.

Die Nachzulassung der bereits auf dem Markt befindlichen Phytopharmaka ist inzwischen abgeschlossen. Negativ monografierte Mittel mussten vom Markt genommen werden. Über einige Nachzulassungen ist jedoch noch nicht entschieden.

Die Zulassung ist unter anderem abhängig vom Nachweis der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Nachdem die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes aufgelöst wurde, werden die Monographien nun von der „Kooperation Phytopharmaka“ dem jeweils aktuellen Stand angepasst. International wird der Status der überprüften Arzneipflanzen durch Monographien der WHO (Weltgesundheitsorganisation) und ESCOP (European Scientific Organisation on Phytotherapy) gesichert.

Die Auswahl der auf www.kneippvisite.de vorgestellten Pflanzen beschränkt sich auf die positiv monografierten Pflanzen. Auch die Zubereitungsanleitungen und die Dosis-Empfehlungen für die Tees entsprechen den Empfehlungen der Monografien.

 

Arzneibuchqualität

Abzugrenzen von den über das Arzneimittelgesetz zugelassenen pflanzlichen Arzneimitteln sind die sonstigen im Handel erhältlichen Nahrungsergänzungsmittel, die jedoch keine Qualitäts- oder Nachweiskriterien eines zugelassenen Heilmittels erfüllen müssen. Auch Lebensmitteltees müssen sich nur an lebensmittelrechtliche Vorschriften halten und dürfen beispielsweise gewisse Mengen an Schadstoffen nicht überschreiten, während Arzneitees einen bestimmten Gehalt an Wirkstoffen und genaue Mischverhältnisse garantieren.

 

„Für alle Leiden, die zahlreicher und schmerzhafter auftreten […], hat der Schöpfer liebevoll und weise vorgesorgt. Auf der ganzen Erde lässt er die verschiedensten Pflanzen und Pflänzchen wachsen, welche die Schmerzen lindern, das Übel bessern und heilen. […] der allweise Schöpfer aber führt alle, jedes mit Namen, jährlich im großen Buche der Natur wieder auf. Keines noch hat er gestrichen, keinen Strauch und kein Blatt am Strauch; des Menschen wegen sind sie da, zu seiner Freude, zu seiner Wohlfahrt.“

(S. KNEIPP)

 

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